Wir wollen unsere obige Lösung jetzt ausführlich darlegen:
Die Additionstheoreme für sin
(x+y) und
cos
(x+y) liefern entsprechende
Formeln für
sin(x-y) und
cos(x-y). Daraus folgt dann das Additionstheorem:
tan(x-y)
= (tanx - tany) / (1 + tanx · tany),
und das liefert für tan(60°-20°)
die Gleichung: sin
20° =
√3/28.
Nun schreiben wir sin
3x als sin(2x+x),
um daraus die Formel: sin
3x
=
3sin
x - 4sin³
x
abzuleiten und setzen x = 20° ein. Weil
sin
60° =
½·√3 ist,
folgt somit: sin
20° ist Nullstelle von
f(x) = 8x³ - 6x +
√3 .
Wegen der Schlussfolgerung: sin
20° =
√3/28
müsste daher ebenso gelten: f(
√3/28) = 0.
Mit evidenten Umformungen erhalten wir daraus die Aussage: 36/7 =
√28.
Das kann aber nicht sein, weil
√28
eine irrationale Zahl ist. (
√n
ist genau dann rational, wenn
n eine Quadratzahl ist.) Statt mit der Irrationalität von
√28
zu argumentieren, kann man auch beide Seiten der Gleichung quadrieren und es folgt:
36² = 7²
·28.
Diese Aussage ist offenkundig falsch, weil 7 kein Teiler von 36 ist.
Die Additionstheoreme für Sinus und Kosinus werden wir gleich in genau einer Zeile aus der Eulerschen Formel
ableiten. Zuvor zeigen wir aber für sin(x+y), wie die elementargeometrische Herleitung funktioniert:
Der Strecke
OS ordnen wir die Länge 1 zu,
und die Dreiecke OPS, OAS, OBA, CAS seien rechtwinklig.
Somit gilt: x+y+z =

/2 =
x'+y+z ⇒ x' = x.
Ferner erhalten wir aus den obigen Voraussetzungen:
sin(x+y) =
SP =
SC +
CP.
Das Dreieck CAS liefert uns die Gleichung:
SC =
SA · cos
x,
und aus dem Dreieck OAS ergibt sich:
SA =
sin
y,
OA
= cos
y.
Am Dreieck OBA liest man ab:
CP =
AB =
OA · sin
x =
cos
y · sin
x.
Daraus folgt schließlich für alle Winkel x, y ≤

/2:
sin(x+y)
=
SP =
SC +
CP =
sin
y · cos
x
+ cos
y · sin
x.
Dagegen lassen sich die Additionstheoreme mit Hilfe der Eulerschen Formel e
ix
= cos
x
+ i · sin
x
sowie der Gleichung e
i(x+y)
= e
ix · e
iy für alle reellen Zahlen x, y (sogar für
beliebige komplexe Zahlen) völlig mühelos herleiten:
cos(x+y) +
i · sin(x+y)
=
ei(x+y) =
(cos
x + i · sin
x)
·
(cos
y + i · sin
y).
Dieses Produkt muss man nur noch in Real- und Imaginärteil zerlegen.