Bemerkungen:
Wenn man von der Nummerierung der Türen (bzw. Ziegen) abstrahiert,
lässt sich das Ziegenproblem mit Hilfe des sicheren Ereignisses also leicht
enträtseln.
Stattdessen wenden aber viele Leute die Formel von Bayes
oder noch umständlichere Verfahren an. Mitunter werden hierbei
sogar Simulationen als Beweisführung gedeutet.
Übrigens ist das Ziegenproblem und sein Lösungsrezept im Prinzip schon
seit Jahrhunderten bekannt, u.a. in Form eines Ratespiels, bei dem man zwei schwarze
und eine rote Spielkarte verdeckt auf den Tisch legt. Etwas origineller ist dagegen
ein „Münzenparadoxon”,
das wir in dem recht unterhaltsamen Taschenbuch:
Die Grammatik der Logik
entdeckten - der angesehene Autor löste allerdings seine eigene Problemstellung falsch:
Zwei Spieler A und B werfen eine Münze, bis
die von A getippte Sequenz: Zahl, Wappen, Zahl (ZWZ) oder die von
B getippte Sequenz ZZW fällt.
Beispielsweise gewinnt A im Fall WWZWZ,
B gewinnt etwa beim Spielverlauf WWZZW.
Haben beide Spieler die gleiche Gewinnchance?
Die überraschende Antwort lautet: Die Chance für Spieler A ist
kleiner als für Spieler B.
Sie beträgt jedoch nicht 3/8, wie
in dem besagten Buch zu lesen ist, sondern 1/3.
Das Spiel endet nämlich allein dann, wenn irgendwann Z fällt -
A gewinne mit der Wahrscheinlichkeit p
A, dann gilt:
p
A =
P(WZ) +
P(WW) · pA.
Hieraus folgt: p
A = 1/4 + 1/4 · p
A und daher
gilt: p
A = 1/3.
Es gibt sogar
zu jeder Dreier-Sequenz eine optimale Entgegnung,
deren Gewinnchance zweimal, dreimal oder siebenmal höher ist.
Setzt Spieler A etwa auf ZZW und B auf WZZ, so gewinnt A genau dann,
wenn im ersten und zweiten Wurf Z fällt, daraus folgt: p
A = 1/4.
Tippt A auf WZZ und B auf WWZ, dann ist p
A = 1/3 (vgl. ZWZ / ZZW ).
Wählt A die Sequenz ZZZ und B setzt auf WZZ, so kann A
nur im dritten Wurf gewinnen, also gilt: p
A = 1/8.
Die übrigen vier Fälle sind zu den oben genannten äquivalent.