Für Schüler dürfte es ein Problem sein, die Formel in ihrer Mehrdeutigkeit richtig zu interpretieren, weil dazu Kenntnisse der komplexen Zahlen erforderlich sind. Die Herleitung selber kann aber elementar erfolgen, wobei es darum geht, kubische auf quadratische Gleichungen zurückzuführen:
Um weniger Schreibaufwand zu haben, ersetzen wir x durch y-r/3 und erhalten y³+ay+b = 0 mit reellen Zahlen a, b und a ≠ 0 (a = 0 ist trivial). Der Kniff ist die Zerlegung: y = u+v. Weil y³ = (u+v)³ = u³ + 3u²v + 3uv² + v³ = u³ + 3uv(u+v) + v³ ist, folgt: y³ = 3uvy + u³+v³ = -ay-b. Ein Koeffizientenvergleich zeigt: (I) 3uv = -a und (II) u³+v³ = -b.= (-b/2 + √b²/4 + a³/27)1/3 + (-b/2 - √b²/4 + a³/27)1/3.
Falls die Diskriminante D:= b²/4 + a³/27 positiv ist, existieren drei verschiedene Lösungen, wobei die einzige reelle Lösung direkt an obiger Formel abzulesen ist. Im Falle D = 0 sind alle Lösungen reell und mindestens zwei stimmen überein. D < 0 liefert drei verschiedene reelle Lösungen, die i. A. aber nicht durch reelle Radikale darstellbar sind (Casus irreducibilis).Bemerkung:
Um die Cardanische Formel richtig interpretieren zu können, sollte man wissen, dass zu jeder Zahl ungleich Null genau drei komplexe Kubikwurzeln existieren. Folglich hat u = (-b/2 + √b²/4 + a³/27)1/3 im nichttrivialen Fall drei verschiedene Lösungen:
u1 =
ω·exp(i·φ/3),
u2 =
ω·exp( i·(φ+2
)/3),
u3 =
ω·exp( i·(φ+4
)/3),
v1 =
θ·exp(i·Φ/3),
v2 =
θ·exp( i·(Φ+2
)/3),
v3 =
θ·exp( i·(Φ+4
)/3).
/3) dar.
Ebenso gilt:
{v1, v2, v3}
=
{vk,
vk·ε,
vk·ε²}.
Offensichtlich ist ε³ = 1 und daraus folgt:
(uj·ε)·(vk·ε²)
=
(uj·ε²)·(vk·ε)
= -a/3.
Damit haben wir folgende Lösungen:
y1 =
uj
+
vk ,
y2 =
uj·ε
+ vk·ε² ,
y3 =
uj·ε²
+ vk·ε .
/2. Daraus folgt:
u1
= 2·exp( i·
/6),
u2
= 2·exp( i·5
/6),
u3
= 2·exp( i·3
/2).
Ferner gilt:
v1
= 2·exp( i·
/2),
v2
= 2·exp( i·7
/6),
v3
= 2·exp( i·11
/6).
Wegen
u3·v1
= 4 = -a/3 lauten die Lösungen:
y1 =
u3
+
v1
= 0 ,
y2 =
u3·ε
+ v1·ε²
=
2·√3 ,
y3 =
u3·ε²
+ v1·ε
=
-2·√3 .
/9),
y2 =
2·cos(8
/9),
y3 =
2·cos(14
/9)
nicht durch reelle Radikale darstellbar.
Oft wird behauptet, dass Tartaglia eigentlich Fontana hieß und nur wegen einer zeitweiligen Sprachstörung, die von einem Schwertstreich herrührte, Tartaglia (Stotterer) genannt wurde. Ein Mathematikhistoriker legte uns aber ausführlich dar, dass diese These falsch ist.