In unserer folgenden Skizze bezeichnen die Pfeile P und P' die Blickrichtung vom Nordpol zum Polarstern bzw. von einem Ort B mit n Grad nördlicher Breite zum Polarstern. Man kann nun die projektive Geometrie bemühen und den Polarstern als unendlich fernen Punkt ansehen, in welchem sich die beiden durch P und P' gegebenen Geraden schneiden.
Um den zugehörigen Winkel ω zu bestimmen, bezeichnen wir die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum mit c und in der Atmosphäre mit v. Mit Hilfe der Differentialrechnung (Extremwertaufgabe) erhalten wir: sinδ/sinω = c/v, also ω= arcsin(sinδ · v/c), wobei wir c = 299.792 km/sec und v = 299.704 km/sec setzen. Wenn der Polarstern geometrisch 50 Grad über dem Horizont steht (Zenitdistanz δ = 40 Grad), beträgt demnach die scheinbare Zenitdistanz ω rund 39,986 Grad. Die Lichtbrechung macht in diesem Fall also nur knapp eine Bogenminute aus und ist daher mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbar.
Das sehr vereinfachende Modell einer geradlinig begrenzten homogenen Erdatmosphäre liefert Ergebnisse, die erstaunlich gut mit der wirklichen Lichtbrechung übereinstimmen, wenn das Beobachtungsobjekt einen hinreichenden Abstand zum Horizont hat. Andernfalls kann man ein Kugelschalenmodell verwenden, bei dem die Atmosphäre aus unendlich vielen Kugelschalen von infinitesimaler Dicke besteht. Den Brechungswinkel bestimmt man dann mit Hilfe der Integralrechnung.
Auf diese Weise ergibt sich zum Beispiel, dass jeder Sonnenuntergang einer Fata Morgana entspricht.