Der „endgültige Mittelwert” (Grenzwert) ist die Summe aus a/3 und 2b/3. Das kann man wie folgt anschaulich herleiten:
Aus den Gläsern A, B gießt man jeweils den halben Inhalt a/2 bzw. b/2 in ein leeres Glas C. Die Hälfte aus C wird wieder nach B umgefüllt und so fährt man mit dem Umfüllen von B nach C bzw. von C nach B fort. Der Inhalt des jeweils volleren Glases strebt dann gegen den doppelten Inhalt des anderen Glases. Die „Grenzinhalte” betragen daher (a/2 + b)/3 bzw. 2·(a/2 + b)/3 = a/3 + 2b/3.Bemerkung:
Jede reelle oder komplexe Zahlenfolge lässt sich als Abbildung f von der Menge IN ∪ {0} in die komplexen Zahlen |C auffassen. Unser Ziel ist die Auflösung der linearen Rekursionsgleichungf(n+j) = λo·f(n) + λ1·f(n+1) + ... + λj-1·f(n+j-1)
für alle λi ∈ |C mit λo ≠ 0. Die zugehörigen Lösungsfunktionen bilden einen |C-Vektorraum V der Dimension j, wobei jede spezielle Lösung anhand der Werte f(0), f(1), ... f(j-1) eindeutig definiert ist. Die übliche Addition von Funktionen liefert die additive Verknüpfung auf V, ebenso anschaulich ist die skalare Multiplikation definiert. Um eine Basis von V zu konstruieren, betrachten wir das (charakteristische) Polynom g mitg(x) = xj - λj-1·xj-1 - λj-2·xj-2 - ... - λ1·x - λo.
(Wir verzichten hier auf eine Herleitung des Polynoms g, um den Rahmen dieses Beitrags nicht zu sprengen. Die Herleitung ist übrigens auch im Spezialfall der Fibonaccizahlen vollkommen anders, als es in den meisten populärwissenschaftlichen Beiträgen dargestellt wird.)gik(n):= ni·bkn mit g0k(0):= 1 (k = 1, ... , m ; i = 0, .... , tk-1).
Wenn man nun irgendeine spezielle Lösung f ∈ V als Linearkombination dieser Funktionen schreibt, so ergibt das die explizite Darstellung von f.V = { f:IN ∪ {0} → |C mit f(n+2) = 1·f(n) + 1·f(n+1)}.
Somit existieren für jedes f ∈ V eindeutig bestimmte komplexe Zahlen w, z mit w·g01 + z ·g02 = f. Die Fibonaccizahlen 0, 1, 1, 2, ... bilden eine solche Folge f ∈ V, die durch die beiden Startwerte f(0) = 0 und f(1) = 1 eindeutig bestimmt ist. Um die explizite Darstellung von f zu berechnen, ist also das folgende Gleichungssystem zu lösen:
w·g01(0)
+ z·g02(0)
= f(0) = 0
w·g01(1)
+ z·g02(1)
= f(1) = 1.
Aus den zwei Lösungen w = 1/√5 und z = -1/√5 erhält man die Gleichung f(n) = 1/√5 ·g01(n) - 1/√5 ·g02(n), die als „Formel von Binet” bekannt ist.